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420 420 rbbtext Sa 31.07.21 13:28:45

Alternativen zum Plastikgeschirr

Über 6 Millionen Tonnen Plastikabfall produzieren wir pro Jahr. Vieles landet im Meer. Die EU will die Umweltverschmutzung stoppen. Seit 3. Juli sind EU-weit Einwegbesteck und -geschirr aus Plastik oder To-Go-Becher, Fast-FoodVerpackungen und Wegwerf-Essensbehälter aus Styropor verboten.

Zwar gibt es Alternativen - die sind aber nicht in jedem Fall besser. Untersuchungen der Verbraucherzentralen zeigen, dass viele scheinbar nachhaltige Verpackungen und Bedarfsgegenstände mehr versprechen, als sie halten. "zibb" gibt einen Überblick und zeigt praktikable Alternativen auf.

Die Berliner Firma Leef United zum Beispiel bietet Besteck und Geschirr aus gepressten Palmenblättern an. Die Produkte sind allerdings etwas teurer als die Plastikvarianten. Holz, Bambus und Pressreste aus der Rohrzuckerherstellung eignen sich ebenfalls für Wegwerfgeschirr. Allerdings wurden bei vielen Produkten aus Naturmaterialien Schadstoffe festgestellt.

Das altbekannte Pappgeschirr ist leider oft mit Plastik beschichtet und kann daher schlecht recycelt werden: Pappe ist zudem nicht automatisch besser als Plastik. Auch bei der Papierproduktion werden Ressourcen vernichtet.

Die denkbar schlechteste Lösung wäre allerdings der Umstieg auf Alu-Verpackungen.

Wegwerftrinkröhrchen sind jetzt auch verboten. Bambus-Alternativen gibt es aber genauso wie Trinkhalme aus Metall, Silikon oder Glas. Statt Einmalwattestäbchen bietet sich der Waschlappen an. Es gibt aber auch Ohrenreiniger aus mehrfach verwendbarem Silikon.

Beim Thema Verpackungswahn in Supermärkten hingegen ändert sich nichts. Dabei entsorgt jeder Deutsche 38 Kilo Verpackungsmüll - pro Jahr.

Ein Umdenken in Sachen Nachhaltigkeit ist aber möglich: Produktdesignerin Amelie Graf hat eine essbare Lebensmittelverpackung aus Zellulose und Speisestärke entwickelt. Beide Bestandteile werden dafür aufgelöst, gekocht und hauchdünn ausgerollt. Schon bald will sie ihre Biofolie zur Marktreife bringen.

Beim Kochen - beispielsweise von Porridge - wird die Verpackung zerrissen und landet im Kochtopf. Hier hilft die Stärke beim Andicken. Verpackungsmüll gibt es erst gar nicht, weil die Folie mitgegessen wird.

Leider werden viele Produkte doppelt und dreifach verpackt. Dagegen können wir uns als Kunden auch wehren - mit einer Kritik beim Hersteller: Dafür muss man einfach nur den Strichcode des Produktes mit der kostenlosen App "Replace Plastic" scannen. Bei 20 Beschwerden geht automatisch eine E-Mail an den Hersteller.

In krassen Fällen von Verpackungswahn schlägt die App auch Alarm und weist auf besser verpackte Produkte hin - zum Beispiel feste Seife statt Duschgel in der Plastikflasche. Was aber können wir gegen den Verpackungsmüll bei fertig zubereiteten Getränken und Speisen tun? Coffee-To-Go-Becher, die nicht aus Styropor sind, sind beispielsweise weiterhin erlaubt. Dabei gibt es schon Mehrwegbehälter - z.B. von PotsPRESSO. Für 2 Euro mieten Kunden den Mehrwegbecher und können ihn in über 70 Läden in ganz Potsdam zurückgeben. Über 20.000 Becher sind bereits im Umlauf. Ein ähnliches System wäre auch für Essen-To-Go wünschenswert.

Der Markt für Mehrwegverpackungen in der Gastronomie ist unüberschaubar groß. Manche Restaurants geben daher eigene Mehrwegbehälter aus. Für diese werden 5 Euro Pfand pro Mietvorgang fällig.

Allerdings müssen Kunden das Geschirr zum Teil selber wieder zurückbringen. Große Ketten hingegen nehmen das genutzte Mehrweggeschirr bei der nächsten Lieferung manchmal wieder mit zurück.

Wem das zu kompliziert ist, für den gibt es immer noch die einfachste Variante: Eigene Mehrwegbehälter mitbringen.

So billig wie die alten Plastikverpackungen sind die neuen Einwegalternativen noch nicht. Und besser dran sind wir und die Natur in jedem Fall mit Mehrwegverpackungen.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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